Elisa Demonki

Nun

wussten wir Bescheid, was er schon eine Weile wusste.

Leicht wurde mir.

Und doch, war ich bekümmert. Da seine Antwort nicht die richtige war. Für ihn.

Es schmerzte.

Und doch musste ich nach einer Weile die Kälte der Wahrheit zulassen.

Was du einst geschaffen, gilt nicht mehr im morgen.

Es sei du bist tot und dein einstig Schaffen reichte für eine Statue, die niemand beschaut, außer im Winter, wenn der Schnee eine Fratze daraus macht. Doch wer ließt schon, wer das war und warum? Wenn Geburtsdaten darunter verstaubt stehen, meint man vielleicht: Ach, ist der alt geworden, oder ach, so alt ist er gar nicht geworden.

Das wars. Man geht von dannen.

Sich wichtig nehmen. Ja, das sollte man, aber so wichtig auch, das man weiß, dass diese Wichtigkeit beim anderen endet.

Die Zeit vergeht, wer nicht nach dem greift, was heute andere schnell macht, bleibt stehen und wird zu aller Ungunst vielleicht noch zynisch. Denn ja es schmerzt. All die vergangene Arbeit.

Die vergangene Arbeit sollte niemals schmerzen, wie ein freudiges Puzzle, als ein Spiel sollte es erlebt sein, das ist wohl die oberste Pflicht, sofern wir im Leben überhaupt von Pflichten reden können. Denn es gibt keine, außer ans Herz, das schlägt und jeder Atemzug der emsig verlangt wird.

Eines Tages muss man gehen, den Jungen den Platz frei machen. Wer Geld hat, oder Wissen, wie man dies in rauen Mengen scheffelt, wird von jungen Menschen umgeben bleiben. Wie aufdringliche Fliegen summen sie herum und nehmen auf der Nase Platz und zerstören noch den letzten Hauch an Glanz. Die Wichtigkeit eines Menschen – für einen anderen – besteht einzig in der Funktion. Wenn die Funktion verfliegt, was auch passieren kann wenn du jung und krank, dann brauchst du viel Ablenkung oder einen gesunden Geist, der gelernt hat zu spielen.

Das jämmerlichste wird jedoch sein dies zu bejammern. Eine gewisse Würde kann man sich erhalten, wenn man die Mängel möglichst kaschiert. Lieber Neid als Mitleid, der gespielt herbeigerollt kommt, nachdem man sein Leid in jammervollen Worten breitgetreten hat. Man klebt bereits als Dreck unter den Schuhen, wenn man auf die Empathie des anderen pocht.

Macht kann viel bewirken. Wer keine besitzt wird wirkungslos. Und doch ist es was uns so tugendhaft erscheint, die Machtlosigkeit, zu sehr ist sie mit Skrupellosigkeit und Kälte verbunden.
Ha, als ob nicht jeder das letzte Krümchen Brot sich selbst einsteckt und in kargen Seiten aus seiner Weste kramt und leicht im Mund zerbröseln lässt, ängstlich schauend, das niemand die Mundbewegung erhascht.

Ich weilte sehnsuchtsvoll herum und wurde zu dem Ideal, das ich selbst suchte, der der das letzte Krümchen gibt, damit ich ein Hauch seines Glückes spürte. Meine Nahrung bleibt einzig die Wärme in meiner Brust. Und meine Freude ihr Hohn darüber. Umso rauer alles um mich herum, um so liebevoller staune ich, dass ihnen die Kälte der Welt, so spät erst bewusst. Aber denen, den es nie bewusst wird? Sie gleiten aus meinen Händen wie Eiszapfen. Und doch würde ich sie gerne schütteln und verstehen, wie sie ihre Endlichkeit im Moment ignorieren und nicht nach dem Glücklichsein streben können? Und dann begreife ich, sie sind glücklich, weil sie wohl nie danach verlangten. Und ich merke, dass mir der Atem stockt.

Impressum